Gedanken

Zwei kurze Texte, die unterwegs im Flug von Montréal nach Zürich entstanden sind.

In der Schwebe

Auf 11’000 m Höhe, bei -56 Grad schwirren meine Gedanken mit 990 km/h durch meinen Schädel. Eingesperrt in diesem kleinen Flugzeug mitten über dem Ozean befinde ich mich in der Schwebe, bin weder hier noch dort. Wenn ich daran denke, dass das hier zum dort wird, zieht sich meine Magenregion gefährlich eng zusammen, und im gleichen Rhythmus wechseln sich Würgereiz und Kloss im Hals ab. Jede Faser meines Körpers gibt mir zu spüren, dass sie sich mit aller Kraft dagegen wehrt. Doch hier, in der Schwebe, gibt es kein Zurück. Nur ein Zurück in das alte Hier. Das man kaum erwarten konnte zu verlassen, und nun holt es einen ein. Noch gibt es kein Hier, kein Dort, kein Damals und kein Später. Aber bald holt mich die Realität ein, drängt mich zurück in die alte neue Welt. Die Zeit im Dort hat mich verändert, habe mich dort eingelebt, die Eigenarten von dort übernommen, den Lebensstil von dort lieben gelernt. Muss ich mich jetzt ans hier zurückanpassen? Hat die Zeit auch hier ihre Spuren hinterlassen oder ist alles wie immer?

 Ein komisches Gefühl, nirgends zu sein. Und wer weiss, vielleicht wird das Hier ja zu einem neuen Dort.

Ankommen

Meine Zeit in Montréal ist nun offiziell zu Ende und in zwei Stunden bin ich wieder auf Schweizer Boden. Was für mich so unwirklich scheint, ist bittere Realität. Auch wenn nicht immer alles perfekt war, möchte ich keine Sekunde missen und schätze es, wie alle die Erfahrungen mich geprägt haben. Ich weiss noch nicht, wie sich das in der kommenden Zeit bemerkbar machen wird; ob ich anecken werde, ob ich „du hast dich aber verändert“ zu hören bekomme, ob ich mich mit meinem vorherigen Lebensstil nicht mehr im Reinen bin, ob ich zwischen hier und dort trenne und meine Schweizer Art mehr zum Vorschein kommt.

Wer weiss, wie lange es dauert, bis ich ankomme. Da, wo ich bin und sein will.