24 Stunden in Singapur

Ich lasse mich treiben. Lasse alles auf mich zukommen. Ich sitze im Flugzeug, alleine, hoch über Indien, dieser Gedanke fühlt sich irgendwie komisch an. Dieses Land ist so fern, so fremd, und für mich geht es nun noch weiter… Doch ich lasse mich treiben. Döse ein bisschen vor mich hin, noch 8 Stunden Flug. Bald sind es nur noch 3 Stunden, ich denke darüber nach, wie ich mich im Nirgendwo befinde, weder hier noch dort.

Ganz schön lange, 10 Stunden so im Nichts zu sein, abgeschnitten von der Aussenwelt, in einem Vakuum, hoch über den Wolken, nun sind wir über Thailand. Bald werden wir in Singapur landen, es gibt ein seltsames, typisches Schweizer Frühstück, Omelett und Käse. Das esse ich natürlich nicht, bin aber trotzdem ein bisschen wehmütig, zum letzten Mal seh ich das, denke ich. Und freue mich gleichzeitig auf das asiatische Essen, doch zu diesem Zeitpunkt weiss ich noch nicht, dass Singapur mir nichts dergleichen bieten wird.

Ich komme also in Singapur an, betrete asiatischen Boden, zum ersten Mal seit über fünf Jahren. Dank der hohen Touristenfrequenz in Luzern fühlt sich alles normal an, alles ganz normal. Das Wifi funktioniert prächtig im Flughafen, kann also zuhause melden, dass es mir gut geht.

Ich steige in irgendeinen Bus, hauptsache Richtung Stadt. Der Buschauffeur unterhält sich mit mir, sagt mir, wann ich aussteigen muss. Und ich, ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Die Vegetation, die Gebäude, die Menschen – alles rauscht, glänzt, beeindruckt.

Das Hostel finde ich erst nach dem fünften Anlauf, ich bin ganz schön erschöpft von der Hitze, der Reise, der fremden Sprache und Schriftzeichen die ich nicht verstehe, dem Schuhabziehen bei jeder Tür und all den Eindrücken. Doch als ich meine Zimmernachbarn kennenlerne, ist die Müdigkeit verflogen, wir quatschen stundenlang, tauschen uns aus, sie ganz am Ende der Reise, ich ganz am Anfang. Ich vergesse zu Essen und gehe glücklich ins Bett.

Ich bin um 5 Uhr früh wach, der Jetlag hat mich, ich erhalte seltsame Nachrichten, auf die ich hier nicht eingehen will, bin verwirrt und etwas traurig, aber auch echt glücklich, hier zu sein. Ich döse noch ein bisschen, dann esse ich ein Blévita, das ich mitgenommen habe aus der Schweiz, ach das wird mich immer wieder glücklich machen, ein bisschen Schweiz.

Meine Verabredung fürs Sightseeing heute ist irgendwie nicht zu finden, schläft noch oder ist weg oder keine Ahnung, ist mir eigentlich auch recht, ich geh also alleine in die Stadt, zuerst zu Fuss, dann mit der U-Bahn, fahre zum Hafen, bin einfach nur geflasht. Alles ist so gross, so wow, so crazy, so Singapur! (Das Ausrufezeichen ist echt verdient.)

Ich streune am Hafen herum, habe nur noch zwei Stunden Zeit, nehme so viel wie möglich mit, gebe 23$ aus für den Lift hoch auf’s Marina Bay Sands, das Wetter spielt verrückt, es ist wahnsinnig heiss und schwül und gleich kommt ein Gewitter auf, ich sehe die Öltanker und Lasterschiffe von oben, mache noch ein Selfie und mache mich auf den Heimweg.

Duschen. Alles klebt, ich bin so froh um diese Dusche, dann geht’s auch schon weiter zum Flughafen, wieder zurück, und dann weiter nach Bali. Ich finde nichts zu essen, hole mir also ein Subway, das gibt’s zum Glück, na gut, ein letztes Mal, denke ich mir, und esse ein Sandwich. Gleich startet der Flieger, ich höre viele Sprachen, die ich nicht kenne, bin immer noch glücklich und vor allem stolz auf mich, ein schönes Gefühl, sich selbständig zu bewegen, nur dorthin wo ich will, niemand der mich davon abhält, und diese Selbstbestimmtheit gibt ein gutes Selbstvertrauen. Ich freue mich auf das nächste Abenteuer, wieder bin ich irgendwo im Nirgendwo, diesmal über dem Ozean…

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Ein Eintrag zu „24 Stunden in Singapur

  • Schön geschrieben! Finde es immer spannend, solche Erfahrungen zu teilen. Die Selbstbestimmtheit, die du beschreibst, kenne und liebe ich auch!:)
    Ich freue mich, mehr über deine Reise zu lesen…!😘

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