Ihr habt da etwas nicht verstanden.

Die Wellen schlagen wieder hoch: Morena, eine Schweizer Body-Positivity Bloggerin, zeigt sich im Bikini auf Instagram. Wow. Das gefällt vielen Schweizern nicht, schliesslich sind wir nicht umsonst stolze Bünzlis. Doch als in der „Aargauer Zeitung“ ein Artikel erscheint, der auf ihren Beruf als Lehrerin eingeht, kriegt sich plötzlich niemand mehr ein. Eine Lehrerin?! Ja, darf die denn das?

Nein, sagt sagt die Aargauer Lehrerpräsidentin. „Einerseits könnten die Fotos ein schlechtes Bild bei den Eltern der Schüler abgeben, andererseits mache sich Morena Diaz das Leben bei einer zukünftigen Stellensuche als Lehrerin durch ihren Auftritt selbst schwer“, heisst es in einem weiteren Artikel seitens Elisabeth Abbassi.

Na klar, schreibt Sarah Serafini auf „Watson“. Schliesslich würden ihre Schüler so aus erster Hand lernen, wie man mit Social Media umzugehen habe, zusätzlich zu ihrer Message eines positiven Körperbildes. Eine Lehrerin, die genau weiss, wie Instagram & Co. funktionieren, und die dafür einsteht, dass jeder gut so ist, wie er oder sie nun ist? Soll Schlimmeres geben.

Dies sind zwei von gefühlt tausenden Meinungen zu Morenas Auftritt, ihrer Figur, ihrem Job, ihrer Person. Man lese sich die Kommentare auf Watson und 20 Minuten durch, wo jeder Zweite genau zu wissen scheint, warum Morena so handelt, was ihre „wirklichen“ Absichten sind (und das natürlich besser als sie selbst).

Zufälligerweise kenne ich Morena, sie ist eine Freundin von mir. Seit bald zwei Jahren, über Instagram. Ja, sie hat mir geholfen, mich wohler zu fühlen, mich zu akzeptieren. So wie vielen anderen auch, fast alle meine Freundinnen, die aktiv auf Instagram sind, folgen ihr. Durch sie habe ich auch viele andere tolle Frauen kennengelernt, die alle einmal Probleme mit ihrem Aussehen hatten, an Esstörungen und Perfektionswahn litten. Ihnen allen hat Morena geholfen. Tagtäglich bekommt sie Nachrichten von Mädchen, die verzweifelt sind, depressiv werden, weil sie keine XS tragen. Das mag für Nichtbetroffene banal klingen, doch für die meist weiblichen Opfer macht es das Leben zur Qual. Und genau hilft es extrem, dass es Menschen wie Morena gibt, die hinstehen und sagen, hey, du bist imfall genau so richtig wie du bist, und dein Körper ist nicht alles, das dich ausmacht.

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Natürlich ist die Kritik der starken Körperbezogenheit der Body-Positivity-Bewegung berechtigt, doch darum soll es hier nicht gehen, auch nicht um das Geld, das sie zusätzlich über Social Media verdient (gerne ein anderes Mal). Sondern darum, dass sie einen verdammt guten Job macht, andere nicht zu kritisieren, für sich selbst einzustehen, Jugendlichen zu vermitteln, dass man eben mehr ist als das Äussere. Ich weiss, dass sie ihren Job als Lehrerin über alles stellt, sich sehr viele Gedanken macht, ihren Schülerinnen und Schülern genau diese Werte weitergeben will.

Es macht mich etwas (sehr) wütend, wenn Leute, die genau für das Auflösen von sozialen Kategorien einstehen, selbst in eine gedrängt werden.

An alle, die es nicht verstehen, dass sie sich im Bikini zeigt: Entschuldigt den Ausruck, aber nehmt bitte euren Stock aus dem Arsch. Habt ihr euch mal die Zeit genommen, ihre Texte zu lesen? Macht es euch hässig, dass sie Erfolg hat? Lasst euch doch darauf ein, dass da eine Generation erwachsen geworden ist, die Dinge anders macht als ihr. Dass wir kein Problem mit Körperlichkeit, mit dem öffentlichen Mitteilen von Emotionen, mit Vermischung von Privat und Beruflich haben. Ihr mögt es vielleicht nicht verstehen, aber hört uns doch einfach zu. Wir wissen schon, was wir da machen.

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