Was ich in drei Monaten Praktikum gelernt habe

Ja, kaum zu fassen. Es ist schon April, und ich schlage mich schon drei Monate durch’s Berufsleben. Vor nicht allzu langer Zeit war das noch unvorstellbar, hatte keine Ahnung, ob ich das überhaupt kann, einen Bürojob machen?

Ich nehme mir daher die Zeit, einmal eine “Zwischenbilanz” zu ziehen und zu schauen, wie sich mein Leben denn verändert hat.

Man gewöhnt sich an alles. Das klingt erstmal nicht so positiv, dabei ist es durchaus so gemeint: Ob lange Pendelfahrten, der strenge Tagesablauf, die wenige Freizeit, der knappe Lohn, der Dauerstress, alles nur halb so schlimm. Es ist nun mal so, und während ich vorher mein Leben weitgehend selbst bestimmen konnte, bin ich nun die Lernende und sauge jede Information als weitere Erkenntnis für das Leben “danach” auf.

Das Alter ist relativ. Während bisher jedes einzelne Jahr akribisch gezählt wurde, ist es nun nicht mehr so wichtig, ob jemand 27 oder 34 Jahre alt ist. Was zählt, ist die Erfahrung. (Vielleicht sehe aber auch nur ich das so, da ich sowieso immer die Jüngste bin)

Ich habe keine Ahnung von Zürich. Obwohl ich mich jeden Tag in dieser Stadt aufhalte, habe ich keinen Schimmer, wo ich mich eigentlich befinde. Peinlich wird’s erst, wenn mich Freunde nach Restauranttips ausfragen oder ich mir überlege, wie es wohl eine Haltestelle weiter aussieht…

Luzern hat schreckliche Öffnungszeiten. Obwohl ich gegen eine Liberalisierung der Öffnungszeiten bin, wäre ich nun ganz zufrieden, wenn die Läden wenigstens erst um 19 Uhr schliessen würden. Dann könnte ich auch während der Woche einkaufen. So aber bleibt mir nur der Samstag übrig, und auch da muss ich es vor 16 Uhr aus dem Haus schaffen (hihi). Ach, und überhaupt:

Ich muss meine Woche akribisch genau durchplanen. Spontanes Abmachen geht irgendwie gar nicht mehr. Wann wasche ich, wann mache ich Sport, wann sehe ich meinen Freund, wann meine Freundinnen, wann mache ich nichts? Die paar Stündchen, die mir nach Feierabend bleiben, sind sehr genau geplant. Es muss ja geputzt, gewaschen, vorgekocht werden, Bewegung braucht’s im toten Büroalltag erst recht und soziale Kontakte sollen ja auch gepflegt werden. Viel Zeit für Spontanes bleibt da nicht.

Routine ist gar nicht so schlimm. Den grössten Horror hatte ich vor der Routine: Immer morgens zur gleichen Zeit raus, immer an den gleichen Ort, die gleichen Aufgaben, am Abend heim, jede Woche das selbe Programm. Doch, Oh Wunder, es hat auch sein Gutes, einen definitiven Feierabend zu haben, etwas strukturiert zu leben und sich seinen täglichen Aufgaben bewusst zu sein. Glücklicherweise arbeite ich in einer sehr lebendigen Branche, sodass kein Tag dem anderen gleicht und gar keine Langeweile aufkommen kann. Und der Rahmen rundherum ist gar nicht so schlecht.

Ich lebe bewusster. Obschon ich viel weniger Freizeit habe (oder genau deswegen?), nutze ich diese viel mehr. Ich vertrödle kaum Zeit vor dem Fernseher (höchstens im Zug), sondern weiss eigentlich immer, was ich machen will. Der Tag fühlt sich “gelebter” an – ein wunderbares Gefühl!

Natürlich habe ich in der Zeit noch so einiges mehr gelernt und werde in den nächsten vier Monaten hoffentlich noch viel mehr Erfahrungen sammeln dürfen. Ich schätze diese Zeit sehr, bin aber auch gespannt, wie die Rückkehr an die Uni verlaufen wird. Aber jetzt will ich noch nicht zu sehr an das denken, was sein wird, sondern das Jetzt geniessen – und schlafen 😉

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s