Eine virtuelle Fahrt durch den Gotthard

Zur Eröffnung des Gotthard-Tunnels hat SRF erstmals eine Virtual-Reality-Reportage produziert. Rund sieben Minuten dauert der Film, der den Betrachter durch den Tunnel und über den Berg führt. Für das Team war das Projekt zum Teil Neuland.

Wer schon immer mal über den Gotthard fliegen wollte, bekommt nun die Gelegenheit dazu. Und das direkt vom Wohnzimmer aus: Das Schweizer Radio und Fernsehen hat im Rahmen der Eröffnung des neuen Basistunnels eine 360-Grad Dokumentation durch und über den Gotthard produziert.

Das SRF nutzt die Eröffnung des 57 km langen Tunnels für verschiedenste Produktionen. Nebst einer Live-Übertragung der Festlichkeiten stehen Dokumentarfilme, Radiobeiträge und eben eine 360-Grad-Dokumentation auf der Agenda. Letztere wurde von einem zehnköpfigen Team produziert: Dominik Born und Sylke Gruhnwald waren für die redaktionelle Tätigkeit zuständig, Matthias Taugwalder für die Kameraführung und Hanna Wick amtete als Kommentatorin.

«Wir wollten das Gewicht, die Masse des Berges veranschaulichen», erklärt Dominik Born, Fachexperte Innovation beim SRF, das Vorhaben gegenüber persoenlich.com. Während rund siebeneinhalb Minuten wird der Zuschauer durch den Tunnel, verschiedene Seitenstollen, den Lift nach Sedrun und in der Vogelperspektive über das Gotthardmassiv geführt. Zusätzlich werde es eine Bildgalerie in 360 Grad geben und ein Gif, erläutert Born, der die Produktion leitete, weiter. Wer eine Virtual-Reality-Brille zuhause hat, kann zudem ganz in die Welt des mythischen Berges abtauchen.

Drei Tage am Gotthard

Um das Video auch sinngemäss umsetzen zu können, wurde die Kamera an die Spitze einer Lokomotive befestigt. Das Team war während drei Tagen im Schichtbetrieb unterwegs. Beim Überflug machte ihnen das Wetter fast einen Strich durch die Rechnung: «Der Pilot konnte uns wegen dem Wetter einzig ein Zeitfenster von einer Stunde zu Verfügung stellen. Das haben wir dann auch genutzt», erklärt Sylke Gruhnwald, Reporterin bei SRF, gegenüber persoenlich.com

Damit sich der Zuschauer beim Flug über den Gotthard aber wirklich frei wie ein Vogel fühlt, wurde ein Torpedo konstruiert: Insgesamt 14 GoPro-Kameras wurden unterhalb des Helikopters montiert, sodass diese «frei» vom Helikopter waren. Diese Art von Luftaufnahmen waren für das SRF-Team neu. Doch es habe geholfen, dass sie auf das Knowhow für Actionaufnahmen früherer Produktionen wie beim Lauberhornrennen oder einem Wingsuit-Sprung aus der Eigernordwand zurückgreifen konnten, sagt Gruhnwald.

«Da kommt man nicht einfach so hin»

Dennoch machen 360-Grad-Aufnahmen nicht bei jeder beliebigen Produktion Sinn. «Der Gotthard eignet sich gut, da man da nicht so einfach hinkommt», begründet Born den Entscheid. Bei der Produktion müsse man schliesslich auf mehrere Dinge achten, berichtet der Experte. So brauche der Zuschauer mehr Zeit, sich umzusehen: «Man schaut eine solche Reportage aus einer ganz anderen Perspektive». Das Bewusstsein, dass man sich während der Konsumation des Formats auch mal umdrehen und das Ganze von hinten betrachten kann, müsse sich erst entwickeln.

Doch nicht nur der Nutzer, auch der Produzent muss umdenken. Dafür haben sich die Redaktoren externe Hilfe geholt und Aussenstehende zu ihrer Meinung befragt. «Es braucht eine ganz andere Art des Cuttens», so das Fazit von Dominik Born. Vor allem Geschwindigkeit und Ton müssen sich von normalen Filmproduktionen unterscheiden. Es erfordere einen langsameren Schnitt als beim schnellebigen Fernsehen und auch mache hier der Ton fast 70 Prozent des Videos aus. «Es braucht einen Radio-, keinen Fernsehton», so Born. Durch die gemächlichere Szenerie wird der Konterpart des Kommentars viel wichtiger. Daher führt Radiosprecherin Hanna Wick durch die Dokumentation.

Mit Virtual Reality traut sich das SRF in ein neues Feld im Videobereich. Sylke Gruhnwald ist sicher, dass 360-Grad-Videos ein grosses Potenzial haben. «Wir werden weiter schauen, wo wir solche Produktionen sinnvoll einsetzen können.» Sie sei gespannt, wie das neue Format beim Publikum ankommt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf persoenlich.com.

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