«Eine Satire mit realem Hintergrund»

Ein Medienmogul in der Südostschweiz, Steinbock-Medien und eine Neopolitikerin namens Maurelio-Klotzer: In ihrem Medienkrimi prangern die Autoren Tobias Bauer und Karl Elser die Machtverhältnisse in Medien und Politik an.

Graubünden ist Schauplatz eines Medienkrimis. Ein ermordeter Medienmogul ein Altpolitiker, der sich immer mehr Anteile an Medienhäusern erkauft, zwei lokale Wirtschaftsimperien namens Domat Chemie und Steinbock-Medien, ein Financier in Italien und eine Neopolitikerin namens Wyborada Maurelio-Klotzer: Das ist «Blattschuss», ein kürzlicher erschienener Krimi aus der Reihe «Lele und Pippo». Tobias Bauer und Karl Elser, die Autoren des Romans, nehmen sich darin den Machtverhältnissen in Politik und Medien an und kritisieren in feiner Satire die hiesigen Entwicklungen. Ein Roman, der in seiner Thematik nicht aktueller sein könnte. Co-Autor Tobias Bauer beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen zu seinem Werk.

Herr Bauer, beim Roman handelt es sich um einen «satirischen Krimi mit aktuellem Politbezug». Was ist die Hauptaussage des Buches?
Der Übervater der grössten Schweizer Partei hat unter Einschaltung von Strohleuten vormals unabhängige Zeitungen in seinen Einflussbereich gebracht und versucht seinen Einflussbereich weiter zu vergrössern. Am Beispiel der Südostschweiz schauen wir satirisch überzeichnet, was dabei so passieren kann. Die Krimigeschichte ist frei erfunden, die satirisch gespiegelten medienpolitischen Vorgänge sind aber ziemlich real und bedenklich.

Was hat Sie dazu inspiriert, den Roman auf diese Weise zu schreiben? 
Die Idee des Plots stammte von Karl Elser, ich habe ihn rasch auch als ergiebig empfunden und so haben wir uns näher mit den medienpolitischen Hintergründen befasst und im Übrigen die Gedanken fliegen lassen.

Warum spielt der Roman in Graubünden? Wie ist Ihr Verhältnis zum Kanton? 
Auch hier ist es Karl Elser, der das nahe Verhältnis zum Bündnerland einbrachte, weil er teilweise dort gewohnt hat. Ich selbst kenne das Bündnerland nicht sehr gut, war aber rasch fasziniert vom Reichtum an historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Facetten, die hier eingefangen werden können.

Die Geschichte beginnt in Italien. Inwiefern spielt das Verhältnis des südlichen Nachbarn eine Rolle?
Karl Elser lebte in der Toskana und hatte die in Siena beheimateten Detektive Pippo Marlotti und Lele Spadoni schon in früheren Fällen auf die Piste geschickt. Nach Chur kommen die Detektive auf den Spuren eines Luganeser Financiers, dessen Erscheinen in Siena die Warnglocken läuten lässt. Denn der Financier ist bekannt dafür, dass er als Strohmann eines Schweizer Politikers Zeitungen aufkauft.

Domat Chemie erinnert an die Ems Chemie, Steinbock Medien an Somedia. Auch die Namen der Persönlichkeiten erinnern an bekannte Figuren. Eine Kritik an den Machtverhältnissen und der Politik im Kanton?
Eine Satire mit realem Hintergrund. Dabei dient die Südostecke der Schweiz als Region, wo sich allgemeine schweizerische Diskussionen über Medienkonzentration, Migrationsgeschichte und die Stellung der Schweiz in Europa bündeln.

Das Buch wurde im Somedia-Verlag herausgegeben. Hat sich Verleger Hanspeter Lebrument nicht dagegen gewehrt?
Die Bereitschaft von Somedia-Besitzer Hanspeter Lebrument, ein Buch zu vertreiben, das sich satirisch mit seinem Medienimperium auseinandersetzt, finde ich durchaus bemerkenswert. Die Zuständige beim Somedia-Buchverlag wollte das Buch aber gerne vertreiben und letztlich ist die Verlagsleitung dann auch einverstanden gewesen. Es ist allerdings noch anzumerken, dass das Buch im Selbstverlag erscheint und durch Somedia lediglich vertrieben wird. Falls es rechtliche Schritte gegen das Buch gäbe, kann der Somedia-Verlag so nicht belangt werden.

Ihr Co-Autor Karl Elser verstarb während der Verfassung des Krimis. Wie sind Sie damit umgegangen?
Beim völlig unerwarteten Tod von Karl Elser war Blattschuss schon fertig und wir konnten uns noch zusammen mit dem Somedia-Verlag einigen. Insofern folgt die Veröffentlichung unseren gemeinsamen Vorstellungen. Es tut natürlich weh, dass wir nun nicht mehr im Duo mit dem Buch unterwegs sein können, so wie wir dies vorgesehen hatten.

In Graubünden sprechen sich Dinge schnell herum. Wird der Medienkrimi Auswirkungen auf die «Realität» haben?
Was denken Sie? Ich weiss es nicht und bin gespannt, inwiefern das in Chur und Umgebung Diskussionen auslösen kann.

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier.

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