Ich fahre Zug

Jeden Tag, mindestens zwei Stunden. Arbeiten in Zürich ist toll, nicht da zu wohnen eher weniger. Jawoll, das wird ein Pendel-Blog.

Dabei sind der Zug und ich doch beste Freunde, schon seit fast zehn Jahren. Allerbeste Freunde sozusagen!

Angefangen hat alles, als ich am 6.6.2006 die Kantiprüfung machte und dann auch bestand – danach war mein Schicksal besiegelt: Die nächsten sechs Jahre würde ich jeden Tag von Thusis nach Chur pendeln.

Manchmal war’s lustig, manchmal doof, manchmal hasste ich es, manchmal schloss ich so neue Bekanntschaften. Diese Zeit prägte vor allem meine Beziehung zur RhB und dem PostAuto, und nicht zuletzt dem Wecker: Nie wieder würde ich freiwillig vor 6 Uhr aufstehen, schwor ich mir kurz vor der Matura.

Während des Studiums habe ich mich ganz gut an diese Regel gehalten; Mehr als 10 Minuten Busfahrt waren selten drin. Einzige Ausnahme machten die dreistündigen Zugfahrten nach Thusis, die ich aber gerne auf mich nahm. Wie schon in meinem ersten Blogpost erwähnt, kehren wir doch alle gern wieder zurück… 😉

Jetzt hab ich allerdings ein tolles Praktikum in der Medien- und Kommunikationsbranche ergattern können und das ist, wie könnte es anders sein, in Zürich! In dieser grossen ominösen Stadt also, wo alles riesig und extrem teuer ist.

Wo die Menschen irgendwie anders funktionieren, es auf jeder Menukarte mehrere Vegi-Sachen gibt und die eben auch die Medienhauptstadt der Schweiz ist.

Es ist aber gleichzeitig auch die Stadt mit immer mehr Gentrifizierung, Wohnungsknappheit und horrenden Mieten – keine Option also, zusammen mit meiner dreimonatigen Kündigungsfrist sowieso nicht. Also hab ich mich wieder mit dem Pendeln angefreundet.

Ja, mein Wecker klingelt wieder um 05.50 Uhr. Nein, Morgensport liegt nicht mehr drin, nein, ich sehe Luzern nie im Tageslicht und ich kann auch weder zur Bank noch Lebensmittel einkaufen gehen. Ja, ich leide manchmal, ja, ich schlafe regelmässig im Zug ein. Ja, ich würde auch gerne wissen, wie viele Kilometer ich pro Woche zurücklege.

Bis jetzt ist es gar nicht so schlimm. Aber ich wohne ja auch erst seit einer Woche im Zug.

 

PS: Selbst dieser Blog entstand im Zug. 😉

Dieser Artikel ist zuerst auf grheute.ch erschienen. Und wurde jetzt im Zug auf meinen Blog gepostet.

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