Langer Atem

Ein ganz kurzes Aufatmen, lange nichts gehört, aber: ich lebe noch!

Allerdings nagt die Bachelorarbeit sehr an meinen Kräften, und so spannend es auch ist, so viel gibt es zu lesen, zu schreiben, zu verbessern, zu ergänzen, zu löschen… Aber bald ist es vorbei! Mir ist vorher aufgefallen, dass ich noch gar nicht begonnen habe, die Tage bis zur Abgabe zu zählen. Also, es sind noch genau 17 Tage. In Relation zu den 4 Monaten (=122 Tage) ist das gut aushaltbar, jetzt heisst es Endspurt, den Atem kurz halten und dann kurz durchschnaufen! Es geht ja gleich weiter mit den Abschlussprüfungen. Zum Glück durchläuft man nicht mehr als drei grosse Abschlussverfahren (ich hoffe es jetzt mal), da lässt sich das aushalten.

Also, noch ein letztes Mal tiiiief Luft holen!

Viel zu viel

Von den enthusiastischen „ich schreibe jetzt jede Woche und mache nichts anderes mehr“ zu dieser andauernd währenden und  niemals aufhörenden Funkstille, welche durch gelegentliche Aufschreie meines Innenlebens und des schlechten Gewissens, gepaart mit emotionalen Ausbrüchen und leidenschaftlichen Schreibeskapaden unterbrochen wird. Seien wir realistisch, mehr als ein Artikel pro Monat ist im Moment einfach nicht drin.

Meiner Meinung nach könnte der Tag viel mehr Stunden haben. Dann könnte ich: Texte lesen, die relevanten und freiwilligen, die in den Bücher und empfohlenen Artikeln, Texte schreiben, für die Uni, für die Bachelorarbeit, für den Journalismus, für den Blog, für mich, Musik machen, singen, tanzen, Klavier spielen, ein neues Instrument lernen, zu zweit, zu viert, alleine, Musik hören, ein Konzert geben, ausgehen, Sport machen, Yoga, Joggen, Pilates, Boxen, Kraftsport, Badminton, Dehnen, Handstand üben, allein, zu zweit, in der Gruppe, im Fitnesscenter, draussen, zuhause oder auf dem Sportplatz, nachdenken, über mich, über die anderen, über das Leben, über den Tod, über die Menschen, die Tiere, wie ich sein will, wer wir sind, Freunde treffen, den Freund treffen, Liebe verbreiten, streiten, Bewerbungen schreiben, auf Antworten hoffen, Geld verdienen, Geld ausgeben, in Seminare gehen, das Leben planen, Bachelorarbeit schreiben, Thesen verwerfen und wieder aufstellen, andere Arbeiten schreiben, mich aufregen, Lebenskrisen durchmachen, leben –

oder einfach länger schlafen.

Alleinsein

Kleine Gesellschaftskritik: obwohl wir uns in einer „progressiven“ Gesellschaft befinden und viele alte Muster aufgebrochen worden sind, lassen sich die alten Muster doch nicht ganz lösen. Dieser kleine Text ist entstanden, als ich – nun seit einiger Zeit glücklicher Single – mich ein weiteres Mal mit Missgunst gegenüber unserer Spezies konfrontiert sah. Es ist irgendwie nicht angebracht, allein zu sein und das zu geniessen.

Viele haben Angst davor. Ist ja „natürlich“, der Mensch ist bekanntlich ja ein soziales Tier. Aber ist es so schlimm, auf sich allein gestellt zu sein? Niemanden an seiner Seite zu haben der einen in seinem Vorhaben bestärkt, unterstützt, kritisiert? Ist man abhängig von dem anderen? Ist man sowieso immer auf der Suche nach der zweiten Hälfte? Ist man alleine unvollständig? Kann man nur zu zweit ganz funktionieren?
Ich bin gerne allein. Ich mag es, alleine in meinen Gedanken herumschweifen zu können und von niemandem gestört zu werden, sie mit niemandem teilen zu müssen. Ich mag es, mit mir selber gut auszukommen, mich für niemanden aufgeben zu müssen. Durch all die Zeit, die ich mit mir verbracht habe, bin ich mir selber immer näher gekommen. Ich weiß, wer ich bin und wer ich sein will. Ich weiss zwar nicht, wo es hingeht, aber dafür, dass ich mir auf meinem Weg immer treu bleiben werde. Von wem sonst kann man das behaupten?

Ich mag es nicht, bemitleidet zu werden, weil ich niemanden habe. Was ja nicht einmal wahr ist! Ich habe sehr viel; ein liebes Umfeld, das ich nicht missen möchte, und ich habe eine tolle Beziehung zu mir selber. Was viele, die sich auf jemand anderen fixieren, nicht von sich behaupten können! Wie viele Menschen sind einfach mit jemandem, um nicht allein zu sein, um sich nicht mit sich auseinanderzusetzen, um sich aus dem Weg zu gehen, um die Bestätigung irgendwo anders zu holen? Zu viele. Natürlich ist niemand gerne einsam, aber es ist in meinen Augen wichtig, allein sein zu können – um dann das zu zweit sein umso mehr schätzen und seine Person einbringen und durch die Hilfe des anderen sich weiter verwirklichen zu können.