Ein Zürcher Model hält Luzern den Spiegel vor

Seit ein paar Wochen fällt in der kreativen Community eine neue Facebook-Seite auf: «Lozärn läbt». Dahinter steckt ein Zürcher Model. Sie findet: Luzern fehle es an Lifestyle und die Stadt resigniere. Darum will sie Luzern einen Schub geben.

Ein Zürcher Model engagiert sich für mehr kreative Bewegung in Luzern. Das hört sich vielleicht etwas ungewohnt an, es entpuppt sich aber als die Wahrheit. Die 32-jährige Karen Fleischmann hat mit «Lozärn läbt» etwas gestartet, «worauf Luzern gewartet hat», ist sie überzeugt. Denn bisher fehle es an Unterstützung für die jungen Unternehmer, die durch konservative Kräfte gehindert werden, glaubt die Selbständige.

Auf ihrem Blog, den sie Ende Juni am Luzerner Fest spontan gründete, zeigt sie seither kleine Lokale, die es ihr wert scheinen, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Darunter finden sich beispielsweise das Café Chez Cassis, der DOGO Store, die Buvette oder spontane Bilder aus dem Treiben der Stadt.

«Ich wollte einfach mal anfangen»
«Ich gehe ganz spontan in die Läden, frage die Personen vor Ort, ob ich Fotos machen darf, rede mit ihnen und poste die Bilder dann auf Social Media», beschreibt Fleischmann ihr Vorgehen. Bisher gibt es noch keine Webseite, lediglich die Accounts auf Facebook und Instagram mit 289 und 417 Followern. Das genügt Fleischmann für den Moment, sie habe bereits einen eigenen Blog für ihre Modelkarriere. «Wir werden sehen, wo das hinführt. Ich wollte einfach mal anfangen.»

 

Fleischmann hatte bis vor wenigen Jahren keinen Bezug zu Luzern – bis die Liebe sie hierherführte. «Ich finde Luzern so wunderschön, aber es fehlt der Lifestyle. Ich gehe jedes Mal gerne wieder zurück nach Zürich», erzählt sie. So gehe es vielen jungen Kreativen: «Sie alle flüchten nach Zürich, denn hier gibt es keinen Platz für sie», kritisiert Fleischmann. Das liege vor allem an der konservativen Grundstimmung, die sich in den Ladenöffnungszeiten, den städtischen Monopolen und der Haltung der Bevölkerung zeige, ist sie überzeugt. «Die Leute resignieren. Sie denken, die Stadt gehöre nicht ihnen, sondern den Touristen. Das darf nicht sein!»
Einige haben abgeblockt

Dass die Luzerner Szene einen Schubs braucht, ist sie sich sicher: «Viele warten darauf, dass etwas passiert.» Daher kommt es wohl auch, dass sie fast nichts Negatives gehört hat bis jetzt. Die Rückmeldungen seien sehr positiv, Leute, Unternehmen und Medien seien neugierig geworden.

Auch habe sich kaum jemand negativ zu ihr selbst geäussert, die ja keine Luzernerin ist. Einzelne Besitzer angefragter Lokale hätten zwar abgeblockt. «Die hatten Angst, dass sie etwas zahlen müssen.» Da habe sie wieder die misstrauische Haltung gegenüber Neuem gespürt.
Geld verdient sie keines damit
Hat sie Kontakt mit anderen Bloggern? «Man folgt sich gegenseitig», kommentiert sie nüchtern. Doch man wünsche sich auch keine Missgunst. Insgesamt komme ihre Arbeit sichtlich gut an, und das bestätige ihr Vorhaben.

Die positiven Rückmeldungen rühren wohl auch daher, dass das Model sich nicht selbst ins Zentrum stellt, sondern den Luzerner Unternehmern die Möglichkeit bieten will, sich zu vernetzen. Geld verdient sie damit keines.
«Dafür lohnt es sich zu kämpfen»
Ob da mal ein offizielles Netzwerk entsteht? «Kann sein. Vielleicht machen wir mal einen ‹Lozärn läbt›-Event. Ich bin offen dafür, was die Zukunft bringt», sagt Karen Fleischmann.

Doch vorerst sei ihr vor allem eines wichtig: «Ich will den Luzernern zeigen, dass man einfach mal anfangen muss. Die Stadt gehört ihnen und dafür lohnt es sich zu kämpfen. Das ist meine Message.»

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