«Bern kann locker mit Zürich oder Basel mithalten»

Lifestyle-Bloggerin Sandra Denier im Gespräch über Influencer-Marketing und die Bedeutung von Offline-Kommunikation.

Frau Denier, wenn man Sie auf Ihren Blog «Bärner Meitschi» anspricht, was erwähnen Sie ganz sicher?
Das Wichtigste ist wohl, dass es nicht allein «mein» Blog ist. Ich habe ihn damals zusammen mit einer Arbeitskollegin gegründet und ich bin jetzt sozusagen «Chefredaktorin». Es schreiben aber noch fünf andere «Bärner Meitschi», was für die Blogger-Szene ziemlich aussergewöhnlich ist. Viele meinen, wir hätten eine Redaktion, obwohl wir alle von zuhause aus arbeiten und den Blog in unserer Freizeit betreiben.

Gibt es einen heimlichen Favoriten, der Ihnen am meisten Spass gemacht hat zu schreiben?
Einen bestimmten gibt es nicht. Meine Favoriten-Themen sind die, wo ich mit Menschen in Kontakt trete und hinter die Kulissen schauen kann. Unsere Kategorie «Zmorge in Bern» mag ich besonders. Brunchen ist ein grosser Trend und die verschiedenen Angebote zu testen, macht mir viel Freude.

Da wird also das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden.
Ja, so ist das (lacht).

Was ist die Geschichte hinter den Bärner Meitschis?
Das erste Mal fiel der Gedanke 2012 auf einer Geschäftsreise. Eine Kollegin und ich hatten den Wunsch, etwas Kreatives zu machen. Wir wollten einen Ort, wo wir experimentieren, schreiben und einfach das machen konnten, was im Arbeitsalltag nicht möglich war. Die Leser kamen ziemlich schnell, und schon nach einem Jahr stand die Entscheidung über ein All-in bevor; für sie war das keine Option, für mich schon. Seither ist der Blog zu dem geworden, was er jetzt ist: Sechs Bärner Meitschi, ein Blog und immer wieder mal ein «Offline-Event».

Damit meinen Sie die Flohmärkte und das «Zmorge», die Sie bisher organisiert haben? 
Ja, genau. Ich hätte nie gedacht, dass es mal von On- zu Offline geht. Es hat mir aber sehr gefallen, einen Teil der Online-Community mal im «richtigen Leben» zu sehen.

Haben sich die Themen im Verlauf der Jahre geändert?
Seit wir mehr Bloggerinnen sind, sind die Themen natürlich auch vielfältiger geworden. Durch unsere verschiedenen Interessen bleibt der Blog facettenreich, hat sich aber in der Grundstruktur nie verändert. Wir waren und sind ein Lifestyle-Blog.

Sie verlassen nun die Stadt, haben kürzlich eine Familie gegründet und arbeiten vollzeit im Marketing einer Bank. Wo bleibt da Zeit zum Bloggen?
Die Frage stelle ich mir auch (lacht). Es ist aber ein Vorteil, dass wir zu sechst sind und ich den Blog nicht alleine führe. Wir alle werden jedes Jahr älter und verändern uns. Ich habe nicht vor aufzuhören, aber die Themen werden sich wohl etwas wandeln. Darunter leiden wird höchstens das «Business Development» des Blogs, aber das hält es aus.

Den «Bärner Meitschi»-Blog gibt es seit vier Jahren. Wie sieht es mit Selbständigkeit aus?
Nun ja, ein Stück weit sind wir jetzt schon selbständig. Unsere Kosten sind gedeckt, aber nur noch zu bloggen, kann ich mir nicht vorstellen. Ich hätte Angst, dass es zu eintönig wird – und dafür mache ich es definitiv zu gerne!

Sie verdienen nicht am Blog, haben aber über Werbung und Produktplatzierung Geldeinnahmen. Wohin fliesst das Geld?
Grafische Dinge wie Logo oder Design übernehmen Externe. Ab dem nächsten Jahr werden wir wohl auch selber ein bisschen etwas daran verdienen – allerdings macht nicht Werbung auf dem eigenen Blog die grössten Einnahmen aus, sondern Blogeinträge auf externen Medien. Werbeeinnahmen sind vernachlässigbar.

Ihr Blog lebt von Social Media, Sie sind auf verschiedenen Kanälen präsent und Ihr neustes Mitglied Jrene Rolli haben Sie auf Twitter kennen gelernt. Wie stehen Sie zum zwiespältigen Ruf von Social Media?
Social Media ist definitiv sehr wichtig. Ohne könnten wir nicht arbeiten. Natürlich ist es Fluch und Segen zugleich, ich pflege aber ein entspanntes Verhältnis dazu.

Weder auf dem Blog noch auf Social Media findet man negative Kommentare.
Ja, da sind wir effektiv sehr glücklich. Unsere Devise «empfehlen, nicht trotzen» hat sich bisher bewährt. Natürlich gibt es immer wieder kleine Kritiken, aber mehrheitlich erhalten wir positives Feedback – allerdings auch davon nicht allzu viel, da Schweizer wohl nicht so gerne kommentieren (lacht).

Warum braucht es die «Bärner Meitschi»?
Die typische Leserin ist zwischen 25 und 35, kommt aus Bern, ist stolz auf die Stadt und weiss, dass Bern locker mit Zürich oder Basel mithalten kann. Dass wir über verschiedenste Themenbereiche, von Kosmetik bis Zmorge, von Sport bis Kultur berichten, gibt dem Leser einen grossen Mehrwert und dient als Ergänzung zu den sonstigen Nachrichten.

Mit welchen drei Worten würden Sie Ihren Bezug zu Bern beschreiben?
Bern ist meine Heimat. Ich mag zwar auch Zürich, aber hier bin ich zuhause und kenne alles und brauche kein Google Maps (lacht). Besonders mag ich die schönen Aussichten und selbstverständlich auch das Gemütliche. Der Berner ist ein Geniesser – darum läuft wohl auch das Thema Essen & Trinken bei uns so gut.

Was fehlt Ihnen in Bern?
Das perfekte Zmorge habe ich leider noch nicht gefunden (schmunzelt). Zudem gibt es wenige Locations für einen Besuch mit Baby, wie ich jetzt selbst erfahren musste.

Was raten Sie einem Blog-Neuling?

Das Wichtigste ist, dass man sich bewusst ist, wie intensiv dieses Hobby ist. Auch sollte man nicht zu hohe Erwartungen bezüglich Entlohnung haben. Was besonders wichtig ist, sind Bilder – diese gehen leider oft etwas vergessen, sind aber extrem wichtig. Mein «Marketinghirn» achtet natürlich auch sehr auf Logo und Design, das ist aber nicht zwingend. Vor allem aber ist der Spass an der Sache grundlegend.


 

Der Berner Lifestyle-Blog «Bärner Meitschi» wurde 2012 lanciert und hat vier Jahre später zwischen 12’000 bis 15’000 Leser pro Monat. In den sechs Kategorien «Essen und Trinken», «Zmorge in Bern», «Kunst und Kultur», «Reisen und Sport» und «Dies und Das» berichten die sechs Bloggerinnen mit zwei bis vier Artikeln pro Woche über das Leben in Bern. Das Team rund um Chefredaktorin Sandra Denier führt den Blog in der Freizeit.

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Denier ist die Chefredaktorin des Blogs. Die 34-jährige Bernerin ist momentan im Mutterschaftsurlaub und wird ab Mitte März wieder im Marketing- und Kommunikationsbereich tätig sein.


Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf persoenlich.com.

 

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